KAMMERCHOR HANNOVER

Pressestimmen

Bach statt Böhler

Der Kammerchor Hannover singt zum Jahreswechsel

Von den Feuerwerksknallern kurz vor Schluss des Bach'schen "Weihnachtsoratoriums" lassen sich die Musiker in der Neustädter Hof- und Stadtkirche nicht beirren. Seelenruhig spielen sie die Arie "Nun mögt ihr stolze Feinde schrecken" weiter. Ein schönes Bild, das den Gesamteindruck dieses besinnlichen Silversterkonzerts widerspiegelt. Unter dem Motto "Bach statt Böller" bringen der Kammerchor Hannover und das Norddeutsche Barockorchester die Kantaten IV-VI aus dem Oratorium zum Klingen. Dirigent Stephan Doormann setzt dabei ganz auf Ruhe und Entspannung. Was schon beim Eingangs-Chor "Fallt mit Denken" beginnt, findet seinen Höhenpunkt in einer wunderbar zarten und andächtigen Interpretation von "Ich stehe an deiner Krippen hier". Bloß an Schwung mangelt es den Sängern bisweilen, und das trotz lupenreiner und behänder Technik. Vielleicht liegt es an der kleinen Besetzung, dass Nummern wie "Ehre sei dir, Gott, gesungen" oder "Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben" leicht verhalten wirken.
Wunderbar ins besinnliche Gesamtbild passt Sopranistin Anna Nesyba. Auch BAssist Matthias Vieweg glänzt in der Arie "Erleucht auch meine finstre Sinnen". Lautes Geschmettere hat er nicht nötig. Vieweg singt angenehm zurückhaltend, dabei aber mit frischem und kernigem Ton. Als Evangelist überzeugt Tenor Bernhard Gärtner. Als facettenreicher Erzähler zieht Gärtner alle in seinen Bann. Abgerundet wird das harmonische Solisten-Quartett von Altistin Hilke Andersen. Das Norddeutsche Barockorchster ist dabei viel mehr als ein Begleitensemble. Mal klagend, mal frohlockend lommentieren und beantworten die im Stehen spielenden Musiker das Geschehen.
Am Ende hat Dirigent Doormann noch einen Wunsch: Er will den Choral "Ich steh an deiner Krippen hier" gemeinsam mit der voll besetzten Kirche singen. Das ohnehin schon begeisterte Publikum stimmt kräftig mit ein. Ein besonderer Moment, ideal als Böller-Ersatz zum Jahreswechsel.

HAZ Leonore Kratz, 02. Jan 2016 

 

Der Mensch lebt nicht vom Stollen allein

Kammerchor Hannover in der Corvinuskirche

Geistige Erbauung – das ist, das soll Teil des Advent sein. Ein wunderschön gestaltetes Programm des Kammerchors Hannover zumindest erhebt diesen Anspruch – und löst ihn ein; soviel vorweg.

Der rege Zuspruch des Publikums in der Corvinuskirche ließ vermuten, es erginge diesem ebenso, allein: Die Schwierigkeiten auf dem Wege zur geistigen Erbauung!

Sven Hagvils (*1953) „and my silence holds every word“ war selbst unter der ‚Mithilfe’ eines Teils der Hörer ein interessantes Stück - obgleich raschelnde Plastiktuchverpackungen, reibende Funktionsjacken, rauschende Programmhefte vom Komponisten nicht vorgesehen waren, vermutlich. Das Anfangsstück ist textlos – wie im Beiheft vermerkt - wozu also blättern? Zum Mitleid für den Chor, gesellt sich Respekt, dass dieser die nötige Auftrittsspannung für das Stück und das folgende Konzert dennoch aufbauen konnte.
Zehn Chorstücke unter dem Motto „magnum mysterium“ – gruppiert in 3-4-3; zweimal unterbrochen von Instrumentalmusik - beleuchten verschiedene Seiten, Wünsche, Bitten um die Ankunft des Herrn. Vertonungen des 20./21. Jahrhunderts aus dem englischen/skandinavischen Raum dominieren; begleitet von Brahms, Schönberg, Bach.

Passend zum gewählten Schwerpunkt lässt sich feststellen: Die Partien ‚Klang/Klangfläche’ gelingen dem Chor unter Leitung Stephan Doormanns an diesem Nachmittag deutlich besser als das ’Linie gegen Linie’, wie im Brahms’schen „Oh Heiland reiß die Himmel auf“. Weder die stets gute Textverständlichkeit noch passable rhythmische Genauigkeit, sondern die Interpretation hinterlassen in den kontrapunktischen Passagen ein nicht immer durchsichtiges Hörbild. Wie sehr auf Klangfläche Wert gelegt wird, zeigt die Zugabe - eine tempomäßig sehr zurückgenommene, flächige Darbietung des „Ich steh an Deiner Krippe hier“ aus dem Weihnachtsoratorium.

Dieser klangverliebte Ansatz überzeugt in den gewählten Werken aus der Zeit ab Schönberg deutlich mehr. Das Schmankerl dabei sicherlich „Koppången“, ein schwedisches Weihnachtslied aus der Zeit der Romantik, dessen Strophen vom Alt (schön satt und dunkel!) zur Summbegleitung der drei übrigen Stimmen erklingen. Im charmant-schlichten Refrain verstummen sogar die verbliebenen Programmraschler.

„Stille Nacht, heilige Nacht“, ebenfalls eine Melodie aus dem 19. Jahrhundert, legt Miłosz Bembinow (*1978) seinem Werke zugrunde. Das stollensüßschwere Original gewinnt wahrlich erheblich durch diese Fassung für Chor und Violine. (Der Dirigent ist mit Glöckchen auch noch dabei.) Allein die Generalpause nach heftiger Steigerung zum Ende der ersten Strophe, bei „himmlische Ruh!“ ist eine einfache, aber geniale Idee. Ursprünglich übrigens eine Komposition für einen mit den Hannoveranern bekannten polnischen Chor, welche von ihnen adaptiert und ins Deutsche übersetzt wurde.

Theresa Krokauer (Violine) und Christian Kloidt (Orgel; Chor) geben bei den beiden Instrumentalzwischenspielen Bachs Sonate in G-Dur (BWV 1021), deren vierter und letzter Satz ihnen am überzeugendsten gelingt.

Schönbergs „Friede auf Erden“ erfleht in seinen vier Strophen die Bitte um diesen Frieden, welche die Engel auf dem Felde den Hirten verkündigten, auf die dringlichste, beinahe aggressive Weise. Im Sopran I in den Höhen vielleicht ein bisschen zu dringend… Erst ganz zum Ende endet die Aufwallung und das ruhige Verweilen wird vom mottogebenden „O magnum mysterium“ (Morten Lauridsen, *1943) aufs Innigste aufgenommen.

In Gedanken loben wir noch einmal die Dramaturgie des Programms, bevor in tiefster Lage einem ‚Alleluia’, das Konzert endet. Warmer Applaus - und jetzt noch Stollen?

geschrieben von  Bjørn Steinhoff, Dienstag, Kulturbüro Göttingen, 22 Dezember 2015,

 

Beeindruckender Chorgesang

Was man mit einem stimmlich, sprachlich, und klanglich bestens geschulten Chor leisten kann, stellte der Kammerchor Hannover am Samstag in der Christuskirche Westercelle unter Beweis. Unter dem Titel "Friede auf Erden" präsentierten die rund 30 Choristen unter der Leitung von Stephan Doormann beeindruckende Phrasierungskunst und eine rhythmisch genaue, dynamisch differenzierte und intonarisch reine Chorkultur. Da wurden froße Steigerungen vom butterweichen Pianissimo bis zum markanten Forte lebendig.
Das Konzert begann mit einer außergewöhnlichen deutschen Erstaufführung: ein Chorsatz ohne Text. Gerade so, als wolle dessen zeitgenossischer Komponist Sven Hagvil damit zum Ausdruck bringen,  dass ihm zum Thema "Friede auf Erden" angesichts der Konflikte in unserer Welt die Worte fehlen. Umso eindringlicher waren die abstrakten Töne dieser Komposition, mit denen der Chor immer wieder zwischen Aufschrei, Appell und Resignation changierte und dabei stets genau den Nerv dieser feinsinnigen Musik traf. Auch im weiteren Verlauf des Konzertes gab Doormann seinem Chor reichlich Gelegenheit, sein schier unerschöpflich scheinendes Potenzial an Klangfarben und dynamischen Abstufungen auszuschöpfen.
Bei diesem Chor verschammen die Interpretationen nie im nebulösen Ungefähr. Sie hielten stets die Balance zwischen Detaillzeichnung und Klangkultur, zwischen Struktur und Ausdruk und wussten so Kopf und Gefühle gleichermaßen anzusprechen. Und mit seiner Mehrstimmigkeit gelangte er immer wieder zu dramatischen Höhepunkten.

Cellesche Zeitung,  2015 Rolf-Dieter Diehl

Lupenreine Intonation und perfekte Artikulation 

Bach vs Sandström mit dem Kammerchor Hannover

Der schwedische Komponist Sven-David Sandström hat sich in vielen seiner Kompositionen Johann Sebastian Bach als Vorbild genommen. So hat er zum Beispiel die Motetten des Thomaskantors neu vertont. Diese Gegenüberstellung der alten und der neuen Komposition lädt geradezu ein zu einem Konzert mit Werken beider Komponisten. Ein Konzert mit Kompositionen Sandströms und Bachs ist jedoch nur selten zu hören. Denn gehören Bachs Motetten schon allein zu den eher anspruchsvolleren Werken der Chorliteratur, überfordern die überaus spannenden Neukompositionen Sandströms jedoch das Können der meisten Laienchöre. Nicht jedoch das des Kammerchor Hannover.

Seit einigen Jahren ist dieser 24köpfige Chor regelmäßig zu Gast in Göttingen. Der Enkel des Stadtkantorei-Gründers Stephan Doormann hat diesen Chor im Jahr 2007 gegründet. Das Ensemble besteht überwiegend aus Musikstudenten, dementsprechend gibt es durchaus Fluktuation. Dennoch hält Doormann den Chor seit Jahren konstant auf höchstem Niveau mit professionellem Anspruch.

Und so konnte der Kammerchor Hannover auch in diesem Jahr in der Göttinger Corvinuskirche seine Klasse beweisen. Die komplexe Tonsprache Sandströms sang der Chor mit einer Leichtigkeit und Virtuosität, dass einem beim Zuhören bisweilen der Atem stockte: die lupenreine Intonation, perfekte Artikulation und die unglaubliche Bandbreite der Dynamik waren sensationell. Die Gegenüberstellung zu den Motetten Bachs gelang auch deswegen, weil auch hier der Chor virtuos und mit derselben Leichtigkeit sang. Den Zuhörern erschlossen sich auf diese Weise beide Komponisten gleichermaßen. (...)

Die Motetten „Singet dem Herrn ein neues Lied“, „Jesu, meine Freude“ und „Fürchte dich nicht“ von Johann Sebastian Bach sowie die Motetten „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“, „Komm, Jesu, komm“ und „Lobet den Herrn alle Heiden“ von Svend-David Sandström begeisterten das Publikum in der gut gefüllten Corvinuskirche.

Kulturbüro Göttingen, 16. Dezember 2014 Jens Wortmann

Zwischen zwei Welten

Zuerst sieht es ein bisschen so aus wie die Seite eines Zauberwürfels: ordentlich neben- und übereinander leuchten am Sonnabend Quadrate an der Decke der Neustädter Hof- und Stadtkirche in Rot, Grün und Blau. Mal ist die eine Farbe stärker, mal die andere. Dann kommt Bewegung in die Sache.

Auf dem Papier liest sich das Konzept zu einem ungewöhnlichen Konzertabend des Kammerchors Hannover unter der Leitung von Stephan Doormann noch eher bemüht: Drei Motetten von Johann Sebastian Bach treten in Dialog mit drei Adaptionen des 1942 geborenen, schwedischen Komponisten Sven-David Sandström. Zwischen den Stücken werden Bilder des Hannoveraner Fotografen Dirk Meußling projiziert – Aufnahmen von Bachs Wirkungsstätten in Leipzig und Dresden, dazu Fotos dieser Leuchtwürfel in immer wieder neuen Formationen.

Jenseits des Papiers geht das Konstrukt auf: So wie sich an der Decke die bunten Quadrate langsam verschieben, verlagern sich darunter die Stimmen. Bei Bach, zum Beispiel in „Jesu, meine Freude“ (BWV 227), passiert das bekannt kontrapunktisch, affektbetont, tonal. Sandström dagegen löst in seinen zwischen 2003 und 2008 entstandenen Stücken die Tonalität immer wieder auf. Gleich sein erstes „Komm, Jesu, komm“ gestalten die Sänger weich und ruhig im Altarraum – um es dann in immer kleinere harmonische Partikel zu zerlegen, bis am Ende ein grandios dissonantes Flirren steht.

Das klingt anders, als man es kennt, sicher. Es klingt aber auch authentisch, frei – überzeugend. Die Beziehung zu Johann Sebastian Bachs Musik bleibt klar, auch wenn unmittelbare Gegenüberstellungen der Vertonungen ein- und desselben Textes bewusst vermieden werden. Wo der Thomaskantor in „Lobet den Herrn, alle Heiden“ (BWV 230) auf Agilität und Tempo setzte, tut es Sandström knapp 300 Jahre später auch. Nur dass es bei Sandström swingt.

Stephan Doormann ist mit seinem Chor wieder eins dieser besonderen Konzertprojekte gelungen, für die er schon oft ausgezeichnet worden ist, zuletzt mit dem Förderpreis Kultur der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Dass die inhaltlich und technisch anspruchsvolle Dramaturgie des Abends nicht verkopft gerät, sondern organisch, ist vor allem seinem Gespür für Verbindungen und Reibungsflächen zu verdanken – ebenso wie exzellenter Chorarbeit.

Die virtuose Qualität der Sänger und des begleitenden freien Barockorchesters ist dank einer CD-Einspielung ab sofort auch allen zugänglich, die nicht mehr in die bis auf den letzten Platz besetzten Hof- und Stadtkirche gepasst haben.

Am Ende strahlt dort, wo eingangs noch das Löbel-Kreuz aus der Leipziger Thomaskirche zu sehen war, übrigens wieder ein Kreuz – aus Leuchtwürfeln.

HAZ, 15. Dezember 2014, Charlotte Schrimpff

Bach mitreißend – skandinavische Moderne beeindruckend

CELLE. Welch ein Finale!

Johann Sebastian Bachs Motette „Singet dem Herrn“ am Ende eines eineinhalbstündigen Konzertes mit dem Kammerchor Hannover riss geradezu mit in ihrem Schwung, in ihrer Lebensfreude, in ihrem strahlenden Jubel. Die üblichen mittelmäßigen Bach-Darbietungen werden einem in Zukunft wahrscheinlich kaum erträglich vorkommen solange man diese Klänge im Ohr hat. Ja, hier könnte man das Modewort von der Nachhaltigkeit verwenden: Dieses Musizieren dürfte nachhaltige Wirkung haben.
Schon der Anfang dieser Motette überzeugte und hatte Schwung und einen ganz weiten Atem. Im Mittelteil gelang
es Chorleiter Stephan Doormann zudem sogar ganz vorzüglich die Gleichzeitigkeit von Choral und freierem Satz der beiden Chöre zu eindrucksvollem Klangfluss zu verbinden, ja zu klingender Architektur zu machen, die aber trotzdem nichts Statisches hatte, sondern den Hörer in einen musikalischen Sog hinein zog. Und dann die Jubelklänge im „Lobet den Herrn“ und das sich so grandios steigernde Fugato am Schluss. Die meisterhafte Komposition Bachs wurde hier geradezu idealtypisch vermittelt: virtuos gesungen, wunderbar transparent, so dass man die Konstruktion der Musik erleben konnte. Und dabei blieb immer alles natürlich und voller musikalischer Spontaneität. Mitreißend eben.
Auch die drei modernen Motette des Schweden Sven-David Sandström gelangen bestens. Die Stücke erwiesen sich als so substanzstark, dass sie sogar neben Bachs Meisterwerken bestehen konnten. Mit welcher Selbstverständlichkeit dieser Chor die zwar nicht experimentelle, aber durchaus ambitionierte Tonsprache beherrscht, das hat eine besondere Qualität.
Nicht ganz so gelungen war die erste Bach-Motette des Abends „Jesu, meine Freude“. Da wirkte der Chor doch noch innerlich zu wenig frei und zu wenig differenziert als dass da die großen Emotionen hätten vermittelt werden können. Trotzdem überzeugte der Kammerchor Hannover auch hier mit einer Homogenität und Klangschönheit, die man nicht so häufig erleben kann. Leider war das begleitende Kammerensemble „la festa musicale“ zwar musikalisch und technisch beeindruckend, aber die erste Violine war ganz häufig zu laut, auch wenn sich im Laufe des Abends doch ein wenig an diesen instrumental unhomogenen Klang gewöhnen konnte.
Interessant war auch das Darbietungskonzept des Konzertes mit eingeblendeten Fotografien Dirk Meußlings zwischen den Stücken. Die bachsche Musik in eine optische Analogie mit sich ändernden abstrakten Lichtquadern zu setzen, das schien schon schlüssig. Diese Fotos dann aber einfach als Diashow zwischen den Stücken ablaufen zu lassen, das ergab keinen erkennbaren Sinn, zudem auch der ständige Lichtwechsel im Kirchenraum störte. Einen ästhetischen Genuss allerdings hatte man durchaus beim Betrachten dieser Lichtquader und auch der Fotografien mit Details aus der Thomaskirche in Leipzig, dem langjährigen Wirkungsort Bachs, denn die hervorragende optische und fotografische Qualität des Gezeigten war mehr als bemerkenswert.
(Reinald Hanke, Cellesche Zeitung, 23.09.2014)

 

Stadt der Sänger

Die Chortage Hannover gehen furios zu Ende

Was für ein Finale! Zum Abschluss der Chortage Hannover gab es in der Galerie Herrenhausen Händels Oratorium "Messiah" in einer Aufführung mit drei Chören. Ein Projekt, das Stilpuristen vielleicht die Nase rümpfen lässt, das als Höhepunkt eines großen Laienchortreffens aber sehr wirkungsvoll ist.

Hannover als Stadt des Chorgesangs in allen Alters- und Leistungsklassen zu zeigen, das haben sich die Chortage zur Aufgabe gemacht. 3500 Zuhörer besuchten von Mittowch bis Sonntag Konzerte, in denen 69 Chöre auftraten, die meisten aus Hannover und Umgebung.

Die Laienchöre beim "Messiah" brauchten den Vergleich mit Profis nicht zu scheuen. Den ersten Teil des Oratoriums übernahm der Kammerchor Hannover unter Leitung von Stephan Doormann. Dieser seit 2007 bestehende Chor hat sein Spezialgebiet in der Auffühung von A-cappella-Literatur und ist dazu, mit einer Stärke von nur 22 Sängerinnen und Sängern, besonders geeignet. Die koloraturreichen Chöre des "Messiah" scheinen dem Ensemble gut zu liegen. Rhythmisch pointiert und durchsichtig gestaltete es die teils halsbrecherischen Partien.

Den zweiten Teil gab es von der Capella St. Crucis unter der Leitung von Florian Lohmann zu hören. Der rund 50-köpfige Chor hatte keine Probleme, die Galerie klanglisch auszufüllen. Er nutzte ein breites dynamisches Spektrum mit gut ausgearbeiteten Steigerungen, die aber niemals ins vordergründig Lärmende abglitten. Ein aus Vollen schöpfendes Halleluja, wie es heute nicht immer üblich ist, begeisterte das ausverkaufte Auditorium.

Eine neue Klangfarbe brachte der Knabenchor Hannover mit dem dritten Teil des Oratoriums auf die Bühne: silbrig, obertonreich und damit dem Klang der barocken Instrumente im Orchester besonders nah sind die Stimmen der Zehn- bis 14-Jährigen. Die Dynamik und Sicherheit der Stimmen ist immer wieder faszinierend, und das Verhältnis zu den Männerstimmen ist sehr homogen.

Das Solistenensemble - Janne Lumm, Robin Blaze, Julian Prégardien, Nicholas Merryweather - passte sehr gut zu dieser Aufführung, wie auch das agil und aufmerlsam begleitende Barockorchester L'Arco, bei dem sich Konzertmeister Christoph Heidemann ein Sonderlob für die (noch nie gehörte) solistische Ausführung der Schlussarie verdiente.

Zum krönenden Abschluss dieses überaus gelungenen Abends sangen alle Chöre vereint das Halleluja. Das Publikum war begeistert.

(Michael Meyer-Frerichs, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 01.07.2014)

 

Himmel und Erde

Die von der Abendsonne aufgehellte Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannover ist ein idealer Raum für lichtere
Emp!ndungen. Dem von Stephan Doormann geleiteten und vornehmlich auf weiche Klangzeichnung getrimmten
Kammerchor Hannover bekam diese Atmosphäre ausgezeichnet. Er sang sechs auf Trost und Zuspruch ausgerichtete Werke schlicht und stetig. Vor der gestelzten Polyphonie der abschließenden Bach-Motette „Fürchte dich nicht“ ließen vor allem zwei Werke aufhorchen. Während Rudolf Mauersbergers Trauermotette an die Zerstörung Dresdens erinnerte, sondierte Wilhelm Weismanns Vertonung des 121. Psalms die Weiten zwischen Himmel und Erde. Der Kammerchor Hannover gestaltete beide Kompositionen eindringlich und formte sie wie aus einem Guss.

Der Kammerchor konnte sich an diesem gut besuchten Abend in der Neustädter Hof- und Stadtkirche aber nicht nur auf seine sorgsam abgestimmten Stimmregister verlassen, sondern auch auf die ganz mit barocker Klangrede vertrauten Instrumentalisten. Die von Martin Dietterle an der Orgel begleitete Geigerin Iris Maron etwa musizierte Heinrich Ignatz Bibers neunte Rosenkranzsonate so geschmackvoll, dass die Chorstimmen von diesem Zwischenspiel hörbar inspiriert wurden.

(Ludolf Baucke, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 30.03.2014)

Warnruf und brillanter Chorgesang

„Die Konzerte des Kammerchors Hannover zur Weihnachtszeit in der Corvinuskirche sind Tradition. Am Sonntag präsentierten die Gäste unter Leitung von Stephan Doormann ein anspruchsvolles Programm, das den Zuhörern in der nahezu voll besetzten Kirche einmal mehr einen Weg zur Weihnacht jenseits der ausgetretenen Pfade wies. [...] 
Ein sehr avanciertes Stück zeitgenössischer Musik stand mit „Warning to the rich“ des Komponisten Thomas Jennefelt auf dem Programm. Vom leisen Summen und Flüstern bis zum expressiven Rufen reichte hier die Ausdruckspalette. Und der Chor verfügte über alle Mittel, auch die Schätze der Reichen, ihr Silber und Gold im fahlen Schimmer erglänzen zu lassen und sie als bloßen Schein zu demaskieren, der das Herz nicht wärmt. [...]
In allen Stücken bestach der Chor durch lupenreine Intonation, dynamische Gestaltung und Strahlkraft der Stimmen.“

(Matthias Körber, Göttinger Tageblatt vom 17.12.2013)

Weihnachtskonzert

„Es hat sich offenbar inzwischen herumgesprochen, dass der noch junge Kammerchor Hannover schon ein Spitzenensemble der Stadt ist. Das Weihnachtskonzert der 27 Sänger und ihres Chorleiters Stephan Doormann in der Neustädter Stadt- und Hofkirche war jedenfalls bestens besucht. Und der Besuch hat sich gelohnt. Wann kann man schon einmal so elysische Klänge hören, wie der Chor sie dem "Magnum Mysterium" des 1943 geborenen Komponisten Morten Lauridsen abgewinnt? Kein Wunder, dass sich ein Zuhörer von dem nach dem Stück einsetzenden Applaus aus der andächtigen Stimmung gerissen fühlte. [...]
Wann soll man den nun klatschen? Die alte Frage des Konzertbetriebs gewann hier bedrückende Dringlichkeit. Dabei hat es sich der Kammerchor grade zur Aufgabe gemacht Konventionen über den Haufen zu werfen. Für seine Auftritte sammelt er lieber freiwillige Spenden statt Eintritt zu verlangen, um ein neues, neugieriges Publikum nicht davon abzuschrecken, es einmal mit einem solchen Konzert zu versuchen.[...]
Beste alte Schule ist aber die Qualität des Ensembles, das winzige Nuancen hörbar machen kann, die so nicht immer in Chorkonzerten zu erleben sind. Schön wie etwa eine Version von "Maria durch ein' Dornwald ging" imNichts zu verklingen erscheint und doch ganz präzise endet. und Johannes Brahms Motette "O Heiland reiß die Himmel auf" gerät zu einer musikalischen Predigt, in der man es sogar hören kann, wenn in der zweiten Strophe der Regen fällt. [...].“

(Stefan Arndt, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 17.12.2012)

Höchste Vokalkunst in Herrenhausen

"Absolute Stille für einen Moment! Chorleiter Stephan Doormann lässt den Kammerchor Hannover innehalten, nachdem die hauchfein gesungene Passage in Max Regers 'O Tod wie bitter bist du' verklungen ist. Ein grandioser Moment in einem sehr berührenden Werk, das der mit einem Echo-Award (2010) prämierte gemischte Chor hochpräzis mit großartiger Räumlichkeit und Transparenz vorträgt. Höchste Vokalkunst. Und die wird von 400 Zuschauern beim Eröffnungskonzert der Chortage Herrenhausen im prunkvollen Festsaal in der Galerie mit begeistertem Applaus gefeiert.(...)"

(Neue Presse, 30.04.2012)

Hannover ist ganz Chor - Eröffnungskonzert der Chortage Hannover

"(...)Und wie oft kann man schon ein Ensemble erleben, das nicht nur technisch nahezu perfekt, sondern die Musik auch so intensiv gestaltet, dass es die Zuhörer trotz Handyklingelns und der von Moderator Helmut Lange verordneten Applausordnung (erst am Ende des Auftritts klatschen) zu begeißtertem Beifall hinreißt? Dem Kammerchor Hannover gelang das in der Galerie Herrenhausen mit Leichtigkeit. Schon in der Psamlvertonung des frühbarocken Komponisten Johann Hermann Schein bewiesen die 24 Sänger unter Leitung von Stephan Doormann nicht nur viel Geschmack, sondern auch, dass sie auf der Höhe der aktuellen Alte-Musik-Aufführungspraxis sind. Durchsichtig, wunderbar phrasiert und mit Mut zu deutlichen Akzenten klang das Stück wohl so aufregend wie vor 400 Jahren. Gerade zu bedrückend eindringlich tönte dann Max Regers sehr viel jüngerer Satz "Oh Tod, wie bitter bist du", bevor der Kammerchor mit einem lichten Spiritual des Schweden Nils Linberg die Brücke in die Gegenwart schlug.(...)"

(Stefan Arndt, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 28.04.2012)

Filmreif

"Die vom Kammerchor Hannover unter der Leitung von Stephan Doormann gestartete Reihe "FEIERABENDkultur Bach+" startete vorigen September in der hannoverschen Börse un dist jetzt vom Amtsgericht in die üstra-Zentrale gewandert. Diesmal wurde Bachs elfteilige Motette "Jesu meine Freude" aus theologisch gewichtigem Gedankengeflecht gelöst und in filmmusikalisch pointierte Appetithappen verwandelt. (...) Dem Kammerchor Hannover gelang es im akustisch extrem trockenen üstra-Foyer das Kunststück, Bachs Motette und auch eine Evangelienmotette von Alfred Koerppen präzis und textverständlich zu singen. Bachs Musik präsentierte sich hörbar als symmetrische Architektur - vielleicht die beste Empfehlung, die Appetithappen am Sonntag um 18 Uhr in Hannovers Neustädter Kirche erneut und dann konzertant angereichtert zu erleben."

(Ludolf Bauke, HAZ vom 19.2.2011)

Die Türöffner

"Klein, aber fein. Jung, aber routiniert. Und begeistert, aber professionell: Das ist der Kammerchor Hannover. Stephan Doormann hat den Chor 2007 gegründet; von zehn Sängern ist der Kammerchor inzwischen auf 24 gewachsen.
„Mehr sollen es auch nicht werden, weil wir mit jeweils sechs Sängern pro Stimme arbeiten wollen“, sagt Doormann. Der 33-Jährige hat zwei Jahre lang in Stockholm studiert und dort sein Diplom für Chorleitung erworben. Die Zeit in Schweden beeinflusse ihn auch in seiner Musikwahl, sagt er. Lieder aus dem skandinavischen und angelsächsischen Raum bilden einen Schwerpunkt des Kammerchores.
Das aktuelle Projekt dreht sich jedoch ganz um Johann Sebastian Bach. „Bach+“ heißt es und soll als Konzertreihe in öffentlichen Gebäuden angeboten werden. „Feierabendkultur“ nennt der Kammerchor seine 30-minütigen Auftritte in der hannoverschen Börse (15. September), im Amtsgericht (15. Dezember) und in der Üstra-Zentrale (16. Februar). Im Mittelpunkt der Konzerte stehen drei Motetten von Bach. Darüber hinaus will Doormann mit der Liedauswahl Verbindungen zu dem Barockkomponisten und bachsche Elemente in Werken anderer Musiker aufzeigen. „Wir wollen Bachs Musik für jeden zugänglich machen, die Hürde senken, indem wir alles unterhaltsam aufbereiten“, erklärt Johanna Schüler. Die studierte Schulmusikerin ist erste Vorsitzende des Kammerchores.
Im nächsten Jahr soll die Konzertserie weitergeführt werden und laut Doormann als „Türöffner für andere Chormusik“ dienen. Zudem wollen die 24 Sänger eine CD mit Shakespeare-Vertonungen aufnehmen, im Herbst 2011 folgt eine Konzerttour durch Schweden. Überhaupt hat der Chor, der zum großen Teil aus Musikstudenten und -absolventen besteht, einen durchaus professionellen Anspruch. „Wir haben ein hohes Probentempo. Da muss man sich auch zu Hause ein wenig Zeit nehmen, um sich die Stücke anzuschauen“, sagt Doormann. Den Ehrgeiz, auf hohem Niveau mit viel Begeisterung zu singen, teile der ganze Chor, erzählt Johanna Schüler. In diesem Jahr hat sich solche Disziplin für den Chor besonders gelohnt. Er wurde mit dem Klassik-Echo für die Einspielung zweier neu komponierter Kantaten geehrt."

(Johanna Günther, HAZ vom 14.09.2010)

Ausgefeilte Stimmqualität

O still!“ lautete das Motto seines Weihnachtskonzerts mit populären und weniger bekannten Chorkompositionen aus Skandinavien, England, Frankreich und Deutschland. Die Barockmusik, sonst gern Schwerpunkt solcher Abende, stand hier eher am Rande.

Dafür konnten beispielsweise die vier weihnachtlichen Motetten von Francis Poulenc ihren besonderen Klangreiz breit entfalten. Gerade in diesen intonatorisch heiklen Kompositionen mit ihren diffizilen Harmoniewechseln zeigte sich die hohe Professionalität des Ensembles. Der Stimmklang ist sehr homogen, die Soprane können auch große Höhen ohne hörbare Mühe bewältigen, die Bandbreite der Dynamik reicht von machtvollem Forte bis zu zart-transparentem Pianissimo. Ein bewegender, sehr eindrucksvoller Abend.

(Michael Schäfer, Göttinger Tageblatt vom 23.12.2009)

Ein Seelenbeben

Keine zwei Jahre ist es her, dass Stephan Doormann den Kammerchor Hannover gründete – und schon hat sich das 24-köpfige Vokalensemble an die Spitze der hiesigen Chorszene gesungen. Das Erfolgsrezept ist schnell ausgemacht: Zum einen besetzt der Kammerchor Hannover mit seinem Faible für das zeitgenössische skandinavische A-cappella-Repertoire eine hierzulande noch zu entdeckende Marktnische. Zum anderen verströmt Doormanns Sängerschar neben jugendlich-elastischer Stimmschönheit einen Enthusiasmus, der selbst in einer sangesfreudigen Stadt wie Hannover nicht ganz alltäglich ist….“

(Daniel Behrendt, HAZ vom 10.03.2009)

Kommende Konzerte

22
Okt
Peter-Paul-Kirche Hermannsburg
-
Hermannsburg

16
Dez
Neustädter Hof- und Stadtkirche Hannover
-
Hannover

17
Dez
Christuskirche, Celle
-
Celle

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